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Gefährten und Begleiter

Die Jahrhundertwende brachte zahlreiche Sport- und Bergsteiger-Vereinigungen hervor. Z.B. Wilde Bande (1878), Akademischer Alpenklub Innsbruck (1893), Karwendler (1904), Wettersteiner (1907), Gipfelstürmer (1911) und später die Melzer Knappen (1919).

In diesem Umfeld entwickelten und profilierten sich zahlreiche Pioniere wie Julius Pock, Otto Ampferer, Karl Berger, Emil Spötl, Ingenuin Heckenblaikner – und eben Otto Melzer: Es war die damalige Elite der Tiroler Kletterer. Zu dieser Riege gehörten auch der Meteorologe Heinrich von Ficker und Max Peer, beide Mitglieder des Akademischen Alpenklubs Innsbruck. (Gründungsmitglied Peer verunglückte 1897 bei einem Lawinenunglück).

Otto Ampferer (1875-1947)
Der Höttinger Otto Ampferer war Mitglied des Akdemischen Alpenklubs Innsbrucks. Er bestieg 1899 als erster mit Karl Berger die Guglia di Brenta (auch Campanile Basso genannt). Sie ist das Symbol im Logo der Melzer Knappen. Weitere Erstbesteigungen: z.B. Kleine Schlenkerspitze (Lechtaler Alpen), Larchetkar- und Eiskarlspitze (Karwendel). Nach dem Tod Melzers stellte Ampferer das Bergsteigen ein.

Ampferer war hervorragender Felskletterer – und Geologe! Hier wirkte er vor allem in der Erforschung der Plattentektonik. Er heiratete 1902 Olga Sander – ihr Bruder (ebenfalls Geologe) wurde Namensgeber des Bruno-Sander Hauses der Universität Innsbruck. Mehr in Wikipedia, ein Bild von Ampferer finden Sie hier.

im Bild rechts: das Bruno Sander-Haus in Innsbruck/Innrain, benannt nach dem Schwager von Otto Ampferer.


Emil Spötl (gest. 1901)

Spötl und Grissemann besteigen 1899 erstmals Äußeren und Inneren Schloßkopf - nördlich der Peiderspitze.  Am 24.5.1900 gelingt ihm die Erstbegehung der Steingrubenwand (2580 m) über den Nordwestgrat - gemeinsam mit Hermann Delago und Karl Berger und ebenfalls 1900 mit Otto Melzer erstmals die Lizumer Nadel (mehr auf AlpinWiki.at).

1901 verunglückt er mit Otto Melzer beim Aufstieg auf die  Praxmarerkarspitze (mehr unter Die letzte Bergfahrt Melzers).

Das hier dargestellte Bild hängt in der Pfeishütte im Karwendel. Ein zweites Bild zeigt Otto Melzer. Beide  wurden gewidmet von der Bergsteigerriege des Innsbrucker Turnvereins - daraus gingen 1907 die "Wettersteiner" hervor. Nicht nur die beiden Bilder sind einen Besuch auf die Pfeis wert!

 


Karl Berger (1880-1915)
Ihm gelingen 40 Erstbegehungen. Unter anderem auch die Nordwand der Marchreisenspitze in den Axamer Kalkkögeln. Interessant dabei: der "Melzer-Riss" in der Marchreisen-Nordwand ist eben nach Otto Melzer benannt.
Berger war es auch, dem gemeinsam mit Spötl und Melzer am 16.9.1900 die erste Durchkletterung der 500 m hohen Nordwand des Pflerscher Tribulaun gelang. Erst 1930 sollte Tinter, Stoll und Zinner eine Wiederholung dieser alpinen Großleistung gelingen!

Karl Berger war - wie auch Ampferer - Mitglied des Akdemischen Alpenklubs Innsbrucks.


Hermann Delago (1875-1962)

Der in Rietz im Oberintal geborene Delago erlernte 1889 bis 1893 Buchdruckerlehrling in Innsbruck. Er vollbrachte zahlreiche Erstbesteigungen wie etwa die Sonnenwand im Sellrain (1894). 1895 bestieg Hermann Delago als erster - im Alleingang - den schwierigsten der drei Vajolettürme im Rosengarten, welcher seither seinen Namen trägt. Die Nördliche Lizumernadel bezwangen erstmals Delago, Grissemann, Melzer und Kremser.
1956 erhielt er die Ehrenmitgliedschaft des Österreichischen Alpenvereins. Mehr zu Delago finden Sie hier. Im Bergbuch "Empor! Georg Winklers Tagebuch" (Verlag Grethlein 1906, herausgegeben von Otto König) wirkte Delago als Autor. Für dieses Buch griff übrigens auch ein gewisser Otto Ampferer als Co-Autor zur Feder ...


Heinrich von Ficker (1881-1957)

Der spätere Meteorologe und Geophysiker war Gründungsmitglied der Innsbrucker Bergsteiger-Vereinigung Edelweiß (gegründet 1896) und später AAKI-Mitglied. Erwähnenswert sind vor allem einige alpine Publikationen, welche Von Ficker gemeinsam mit Otto Melzer und Otto Ampferer verfasst hat (siehe Literatur von und mit Otto Melzer). Ficker, Spötl und Melzer dürfte eine innige Freundschaft verbunden haben: dies ist aus einem Nachruf abzuleiten, den von Ficker noch 1901 in der Österr. Alpenzeitung über seine Bergkameraden verfasst hat. 

Lesetipp: Heinrich von Ficker und seine Schwester Cenzi im Österreichischen Alpenarchiv.

1946 war Von Ficker Präsident der Österr. Akademie der Wissenschaften. Sein Bruder Ludwig (1880-1967) gründete die Kulturzeitschrift "Der Brenner". Er war damit namensgebend für das berühmte Brenner-Archiv in Innsbruck. -> mehr

Cenci von Ficker - das Uschba-Mädel (1878-1956)
Heinrichs Schwester Cenci war eine alpine Berühmtheit. Erste Frau am Großvenediger und erstes weibliches Ehrenmitglied im OeAV. Über ihren Bruder hatte sie Kontakt zu Ampferer und Berger. Inwieweit sie auch gemeinsame Besteigungen mit  Otto Melzer unternommen hat, ist uns nicht bekannt.

Sie nahm an zahlreichen Expeditionen v.a. im Kaukasus und Pamir teil. 1903 begleitete sie den Münchner Geologiestudenten Adolf Schulze bei der Erstbesteigung des 4.737m hohen Ushba-Südgipfels (mehr). Ihr selbst blieb der Gipfel verwehrt, jedoch schenkte (!) ihr der Fürst der kaukasischen Region Swanetien daraufhin urkundlich den Gipfel. Seither trug sie den Namen "Uschba-Mädel". Für Interessierte: "Frauen im Aufstieg" von Ingrid Runggaldier (Hrsg. Raetia Verlag 2011). Bis in die 50er Jahre lebte Frau von Ficker auf dem Karwendelhaus. Eine ausführliche Biographie finden Sie hier.
Ihr Sohn Meinhard Sild (gest. 1944) war fanatischer Nazi und Mitglied im OeAV/Akademische Sektion Wien sowie im Akadem. Alpenclub Innsbruck.

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